Wakenitz-Niederung und Herrnburger Binnendüne

Sandtrockenrasen mit Borstgras

Das Naturschutzgebiet Wakenitz-Niederung und Herrnburger Binnendüne ist Bestandteil des GgB „Herrnburger Binnendüne und Duvennester Moor“(DE 2130 - 302). Das Gebiet umfasst die ehemalige Wanderdünen- und Heidelandschaft südwestlich der Ortslage Herrnburg bis zur Landesgrenze nach Schleswig-Holstein. Das Duvennester Moor gehört als isolierte Teilfläche innerhalb des Waldgebietes südlich von Herrnburg ebenfalls zum FFH-Gebiet, ist aber nicht Bestandteil des Naturschutzgebietes. Das NSG wurde auf Betreiben von Mitgliedern des NABU Kreisverbandes unter Schutz gestellt und wird von diesen betreut.

 

Die Herrnburger Binnendüne ist der Rest einer großen Wanderdünen- und Heidelandschaft. Im Zuge der innerdeutschen Grenzsicherung wurde die Düne eingeebnet und anschließend auch als Ackerfläche genutzt. Nach 1991 wurden alle

 Ackerflächen aufgelassen bzw. stillgelegt. Heute sind alle Flächen in Grünland umgewidmet worden. Der überwiegende Teil der Flächen wird gemäht. Auf allen Offenflächen wird eine naturschutzgerechte Weidenutzung angestrebt.

Das Tal der Wakenitz entstand als Schmelzwasserrinne im Zuge des Eisabbaus der letzten Vereisung. Glazilimnische Beckensande bilden die Oberfläche. In der Nacheiszeit setzte eine durch Quelltätigkeit hervorgerufene Vermoorung des Tales ein. Südlich von Herrnburg sind sowohl die Torfe als auch die Beckensande stellenweise überdünt. Seit dem 13. Jahrhundert wurden diese Prozesse überlagert durch die mit der Errichtung des Mühlenstaus in Lübeck verbundene großflächige Versumpfung des Tales. Die Niedermoortorfe erreichen heute im unmittelbaren Talraum teilweise mehrere Meter Mächtigkeit. Die Wakenitz entwässert über die Trave in die Ostsee. Ihr fließen im Schutzgebiet der Lüdersdorfer Bach und der Palingener Mühlenbach zu. Das Gefälle der Wakenitz beträgt bei einer Lauflänge von ca. 7 km im Gebiet etwa 0,14 m. Die seit 1291 bestehende Stauberechtigung der Hansestadt Lübeck hatte ein Stauziel von rund 4,2 m NN, das im Jahre 1873 um etwa 0,5 m reduziert wurde. Durch diesen Mühlenstau müssen größere Flächen im Tal unter Wasser gesetzt worden sein. Ende des 18. Jahrhunderts existierten keine offenen Wasserflächen mehr, die Moorflächen waren größtenteils bewaldet. Im Norden der Niederung wurde zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 2. Weltkrieges Torf zu Brennzwecken gestochen. Im Tal gab es bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Hofstellen, die nach 1961 beseitigt wurden. Die Herrnburger Binnendüne ist der Rest einer ehemals großen Wanderdünen- und Heidelandschaft südlich der Ortslage. Die Dünen wurden im Zuge der Grenzsicherung eingeebnet. Anschließend wurden die Flächen ebenfalls als Acker genutzt. Nach 1991 sind alle Ackerflächen aufgelassen bzw. stillgelegt worden, das Grünland ist dagegen teilweise wieder in extensive Weidenutzung genommen worden. Die Niederung der Wakenitz wird überwiegend von Feucht- und Bruchwäldern eingenommen.

 

Auf den großen Ackerbrachen haben sich Quecken- und Silbergrasfluren entwickelt, in denen seltene Arten wie die Sand-Strohblume zu finden sind. Die Binnendüne und der Brachestreifen östlich der Wakenitzniederung werden von teilweise artenreichen Sand-Magerrasen, Silbergrasfluren und kleinflächig von trockenen Zwergstrauchheiden eingenommen. Insbesondere die Binnendüne weist bemerkenswerte Flechten wie die Rotfrüchtige Becherflechte und die Einseitswendige Rentierflechte auf. Die Magerrasen werden durch Grannen-Ruchgras, Englischen Ginster, Borstgras und Gemeine Grasnelke geprägt. Auf den offenen Sandflächen kommen Stierkäfer und Sandlaufkäfer vor. Von den nachgewiesenen Tagfalterarten sind besonders Rostbinde, Östlicher Reseda-Weißling und Sonnenröschen-Bläuling erwähnenswert. Weitere charakteristische Großschmetterlinge des Schutzgebietes sind Kleines Nachtpfauenauge, Beifußmönch und Malachiteule. Für die Vogelwelt ist die Wakenitzniederung vor allem als Nahrungs- und Durchzugsraum von großer Bedeutung. Die überwiegend bewaldete Niederung ist Lebensraum von rund 60 Brutvogelarten, u. a. von Pirol, Schlagschwirl und Beutelmeise. Noch nach 1990 kamen wertgebende Brutvogelarten wie Heidelerche, Steinschmätzer und Ziegenmelker vor. Diese Arten sind heute infolge der intensiven Nutzung durch Anwohner verschwunden. Der Pflegezustand von großen Teilen der Offenländereien ist schlecht. Durch den hohen Besucherdruck und Hunde kommen kaum noch Feldlerche und Co. Zum Bruterfolg. Die Flächen verbuschen vom Rand her und werden bis auf die eigentliche Binnendüne nicht naturschutzgerecht genutzt. Hier besteht dringend Handlungsbedarf. Große Teile der Offenflächen befinden sich heute im Eigentum der NABU Stiftung Nationales Naturerbe und der Stiftung Umwelt und Naturschutz M-V.

Gemeine Kuhschelle auf der Herrnburger Binnendüne