Strandflieder, Strandbeifuß und Distelfalter
Das Gebiet liegt an der Südseite der Halbinsel Boiensdorfer Werder an der Großen Wiek zwischen Poeler Breitling und Salzhaff in der östlichen Wismarbucht (-0,5 bis 5 m NN) und gehört zur Landschaftseinheit „Wismarbucht mit Insel Poel“. Der überwiegende Teil des Naturschutzgebietes befindet sich in Eigentum der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Das Schutzgebiet ist für den allgemeinen Besucherverkehr gesperrt. Fachlich angeleitete Führungen durch das Schutzgebiet sind in Abstimmung mit der Gebietsbetreuerin und dem Landwirt möglich.
Vom Kliff des Westufers der Halbinsel abgetragenes Material wird nach Süden und von da weiter nach Osten verfrachtet und bildet hier in einer flachen Bucht („Große Wiek“) ein Hakensystem mit Brackwasserlagune, die bei Niedrigwasser zu einem Windwatt trockenfallen kann. Das Salzgrünland wird von Anbeginn als Weideland genutzt und kann bei Hochwasser völlig unter Wasser stehen.
Auf den höher gelegenen, nördlich in Richtung Inselkern anschließenden Bereichen wachsen, locker verteilt, verschiedene Gehölzarten. In ruhigen Flachwasserbereichen gedeihen Seegraswiesen mit Meeres-Salde und Sumpf-Teichfaden. Die Spülsäume werden durch Salz-Schuppenmiere, Meersenf und Melde-Arten charakterisiert. Die regelmäßig beweideten Salzgrünlandpartien sind gekennzeichnet durch Strand-Wegerich, Strand-Milchkraut, Strand-Dreizack, Salz-Binse, Strand-Segge, Erdbeer-Klee, Strand-Aster, Strandflieder, Zierliches Tausendgüldenkraut, Grasnelke und Krähenfuß-Wegerich. Auf den häufiger überfluteten Schlickflächen siedeln Pionierpflanzen wie Queller und Flügelsamige Schuppenmiere. An den Lagunen, Kolken und Prielen sind Salzröhrichte mit Strand-Binse, Englischem Löffelkraut, Gemeiner Strandsimse sowie Andelrasen ausgebildet. Auf der erhöhten Festlandsböschung siedelt eine Trockenrasengesellschaft mit Knolligem Hahnenfuß, Kleinem Habichtskraut, Echtem Wiesen-Hafer und seltenen Saftlings-Arten aus dem Pilzreich.
Sandregenpfeifer © Stefanie Dutschke
Typische Brutvögel des Gebietes sind Brandgans, Mittelsäger, Austernfischer, Kiebitz, Rotschenkel und Sandregenpfeifer, die alljährlich in geringer Paarzahl im Schutzgebiet auftreten. Sporadisch finden sich auch Küsten- und Zwergseeschwalbe ein. Die lockeren Gebüschgruppen werden von Sperbergrasmücke, Neuntöter und Karmingimpel besiedelt. Die Salzwasserlagune wird zur Zugzeit von Wat-, Möwen- und Entenvögeln zur Rast aufgesucht. Hierzu zählen u. a. Höckerschwan, Großer Brachvogel, Kiebitz, Brandgans, Pfeifente, nordische Gänsearten sowie verschiedene Möwenarten.
Aus der Artengruppe der Amphibien ist lediglich das Vorkommen der Wechselkröte in den Röten des Schutzgebietes bekannt. Charakteristische Strukturelemente der Salzweiden sind die Hügelbauten der staatenbildenden Blassgelben Schattenameise. Diese Ameisenart setzt Wurzelläuse an den Wurzeln der die Hügel besiedelnden Pflanzen an und frisst die süßen Stoffwechselprodukte dieser Läuse. Der Zustand des Gebietes ist gut. Allerdings können vom unmittelbar angrenzenden Campingplatz sowie von der nahe gelegenen Ferienhaussiedlung, durch Wassersportler und Strandwanderer mögliche Störungen ausgehen. Besucherlenkung und -aufklärung sind vor Ort erforderlich.
Queller und Strand-Aster