Fauler See Rustwerder

Blühaspekt der Strand-Grasnelke Foto: Rolf-Rüdiger Strache

 Das Gebiet befindet sich am Südostufer der Insel Poel, südlich der Ortschaften Brandenhusen und Hinterwangern. Der überwiegende Teil des Naturschutzgebietes befindet sich in Eigentum der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Das Schutzgebiet ist für den allgemeinen Besucherverkehr gesperrt. Fachlich angeleitete Führungen durch das Schutzgebiet sind aber in Abstimmung mit dem Gebietsbetreuer und dem Landwirt möglich.

Den Südteil des Gebietes nimmt ein 2 km langer und 50 - 400 m breiter, bis 2 m hoher Haken ein, der aus Strandwällen unterschiedlichen Alters besteht. Der „Faule See“ ist eine nur 0,1 bis 0,4 m tiefe, ca. 46 ha große Brackwasserlagune mit schlickigem Untergrund, die über die sehr seichte, 700 m lange, 120 m breite und 0,1 m tiefe „Fuul Bäk“ eine Verbindung mit der inneren Wismarbucht hat. Zwischen den Strandwällen ist ein ausgeprägtes Prielsystem entwickelt. Das gesamte Gebiet liegt weitgehend im Einflussbereich der von Windrichtung und -stärke abhängigen Wasserstände der Ostsee. Der kegelförmige „Koppelbarg“ am Nordufer des Faulen Sees bei Brandenhusen überragt mit 6,6 m Höhe deutlich die Küstenniederung.

 

Das Salzgrasland wird seit mehreren Jahrhunderten als Weide genutzt. Am „Koppelbarg“ sind alte Abgrabungen vorhanden, die auf den Kiesabbau durch die Wismarer „Sandböter“ bis in die1930/40er Jahre zurückzuführen sind. Seit 2018 erfolgt wieder eine auf Naturschutzbelange abgestimmte Beweidung mit Schafen und Rindern durch.

 

Prioritäre Zielsetzung der Stiftung ist es, die Flächenbewirtschaftung und die Lebensraumstrukturen an den Ansprüchen der hier brütenden Küstenvögel auszurichten. Im Rahmen einer Neuverpachtung der Flächennutzung ab 2018 an die Hof Dutschke GbR (Dassow) wurde auf dem Rustwerder zunächst eine Schafbeweidung eingerichtet, die hier zur Optimierung der Vegetationsstruktur auf den Salzwiesen führen soll. Flankierend wurde mit einem konsequenten Prädatorenmanagement begonnen, das nicht nur in einer regelmäßigen Kontrolle und Bejagung insbesondere von Wildschwein und Rotfuchs besteht, sondern insbesondere auch die Zurückdrängung von Schilf umfasst, um das Angebot an Deckung für diese Arten zu reduzieren. Ebenfalls begonnen wurde mit der Errichtung massiver Zäune am Rande des Areals, um zumindest landseitig die Zuwanderung von Prädatoren zu minimieren. Neben den Vogelarten ist das Gebiet ein außergewöhnlich gut aufgeprägter Salzwiesenkomplex der westlichen Ostsee.

 

Die tonig-schlickigen Marschböden in den Prielen, Röten und am Ufer des Faulen Sees sind vom Andelrasen mit Strand-Salzschwaden, Salz-Schuppenmiere und Flügelsamiger Schuppenmiere bedeckt. In Bereichen der Röten mit durch Meerwasserverdunstung stark erhöhten Salzkonzentrationen sowie im Windwattbereich der jüngsten Neulandbildungen treten Quellerfluren mit Queller und Strand-Sode auf. Durch Jahrhunderte lange Weidenutzung entstanden artenreiche Salzbinsenrasen mit Gemeinem Strandflieder, Salz-Binse, Strand-Beifuß, Rot-Schwingel, Zierlichem und Strand-Tausendgüldenkraut, Echtem Löffelkraut, Milchkraut und Strand-Aster. Als weitere Besonderheiten sind hier auch Stielfrüchtige Melde, Echtes Löffelkraut, Salz-Hasenohr und Sumpf-Löwenzahn zu finden. Das Auftreten der Gemeinen Strandsimse am Faulen See kann als Zeichen für eine lang anhaltende optimale Beweidung von Salzröhrichten angesehen werden. Beachtlich ist der Artenreichtum des Koppelbarges, u. a. mit Zittergras, Echtem Wiesenhafer, Kleinem Mädesüß und Gemeinem Kreuzblümchen. Häufige Brutvögel des Salzgraslandes sind Rotschenkel, Kiebitz, Austernfischer, Mittelsäger, Küstenseeschwalbe, Säbelschnäbler und Kampfläufer. Am Sandstrand brüten Sandregenpfeifer und unregelmäßig Zwergseeschwalbe, in hohlen Kopfbäumen Gänsesäger. Nahrungsgäste sind u. a. Seeadler, Baumfalke, Wiesen- und Kornweihe. Der Faule See ist ein bedeutendes Schlafgewässer für rastende Zugvögel, insbesondere für Schellenten, aber auch für Singschwäne, Grau- und Blässgänse sowie Große Brachvögel. Die typische Amphibienart der flachen brackigen Kleingewässer im Salzgrasland ist die Wechselkröte.