Ansicht der Insel © Erna Schreiber
Die etwa 7 Hektar große Insel Ahrendsberg ragt maximal 6 Meter aus dem Flachwasser des Breitlings (Wismarbucht) und liegt etwa 400 Meter südlich des Poeldammes. Die Insel Ahrendsberg ist Bestandteil des GgB „Wismarbucht“ (DE 1934-302) und des Europäischen Vogelschutzgebietes „Wismarbucht und Salzhaff“ (DE 1934-401).
Sie besteht aus einem pleistozänen Inselkern (nährstoffarmer Sand bzw. Mergel) und einem im Holozän entstandenen Küstenüberflutungsmoor. Im Südwesten der Insel ist aktives Kliff mit einer maximalen Höhe von 4 Metern ausgebildet. lm Norden der Insel liegt eine alte Abgrabung. Dort wurde Anfang des 20. Jahrhunderts Boden abgebaut, um damit den Poeldamm aufzuschütten. Die Abgrabung führt zeitweise Wasser und. ist locker mit Schilf bestanden. In der Abgrabung und in den Prielen laichten bis in die 2000er Jahre Wechselkröten. Die Population ist wohl infolge von Hochwasserereignissen erloschen.
Der in den 1990er Jahren überwiegend von Schafschwingel-Rotstraußgras-Magerrasen bestandene mineralische Inselkern fällt nach Osten flach ab. Heute ist der Inselkern zeitweise im Jahr kurzrasig und ist teilweise ausgemagert. Es setzen sich beweidungsresistente Arten der basiphilen Magerrasen (LRT 6210), wie Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule) und Sand-Thymian (Thymus serpyllum) durch. Bemerkenswert ist auch das Vorkommen des Borstgrases (Nardus stricta).
An den Inselkern schließt sich ein Salzgrünlandkomplex an. Diese Salzgrünländer der westlichen Ostsee wurden durch Beweidung mit Rindern oder Schafen geformt. Die Tiere treten die Pflanzenmasse in den Boden, so dass sich unter Luftabschluss Torfe bilden. Der Salzeintrag erfolgt durch periodische Überflutungen und Verdunstung des Wassers. Dies geschieht vor allem in den ebenfalls durch die Beweidung entstehenden Prielsysteme. In ihnen und an ihren Rändern ist der Salzgehalt besonders hoch. Die dadurch entstehenden Torfe bilden die Grundlage für die Entstehung der einzigartigen Salzgrünlandvegetation.
Stängellose Kratzdistel © Martin Bauer
Die Pflanzenwelt der Salzweiden ist charakteristisch für das Salzgrünland der Wismarbucht. Es kommen u. a. Strand-Dreizack (Triglochin maritimum), Strand-Aster (Aster tripolium), Englisches Löffelkraut (Cochlearia anglica), Strand-Beifuß (Artemisia maritima) und als Besonderheit der Wismarbucht der Strandflieder (Limonium vulgare) vor.
Die Röhrichte im Norden der Insel waren in den 1990er Jahren überwiegend aus Beständen der Strandsimse (Bolboschoenus maritimus) aufgebaut. Inzwischen ist die Art wohl durch Eisgang bis auf Reste verschwunden. Auf dem mineralischen Inselkern befindet sich einer der wenigen Standorte des 2001 von Gregor & Henker (2001) beschriebenen Wismarer Hügelfingerkrautes (Potentilla wismariensis) in Deutschland. Diese Art wächst auf mageren mineralischen Grünländern in Küstennähe und ist auf eine extensive Weidenutzung angewiesen. Somit ist die Pflegenutzung der Insel auch ein Beitrag dazu, diesen mecklenburgischen Endemiten an seinem ursprünglichen Standort zu erhalten. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde die Insel mit Schafen bzw. Rindern beweidet. Das Resultat waren kurzrasige Salzweiden (“Salzwiesen“ gab es in der Wismarbucht eigentlich nie), die zu ihrer Erhaltung unbedingt auf eine Beweidung angewiesen sind. Die so genutzten Salzgrünländer sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für die großen Bestände durchziehender und rastender nordischer Gänse. Sie nutzen nur die vom Weidevieh kurzgehaltenen Flächen zur Äsung in den Herbst- und Wintermonaten. Die im Frühjahr kurzrasigen Salzweiden boten früher Lebensraum für viele Wiesenbrüter. Die hoch spezialisierten Vogelarten sind heute überall sehr selten, wohl auch infolge der Nutzungsauflassung ehemals landwirtschaftlich genutzter Grünländer. Die Insel Ahrendsberg wurde bis in die 1970er Jahre beweidet. Danach erfolgte keine landwirtschaftliche Nutzung mehr. Durch Mitarbeiter des Rostocker Zoos wurden vor 1989 etwa 20 Schafe auf die Insel gestellt. Die Schafe hatten bis dahin auf der Insel Walfisch gestanden, dort aber angeblich Schaden an den Gelegen der Vögel angerichtet. Seit 1989 kümmerte sich niemand um die Tiere. Im Jahre 1997 fingen wir den verwahrlosten Restbestand ein und schoren ihn. Seitdem werden die Tiere durch Mitglieder unseres Kreisverbandes betreut und der Bestand langsam mit Weißen gehörnten Heidschnucken, einer in Deutschland stark gefährdeten Landschafrasse aufgebaut. Diese Rasse erwies sich auf anderen Pflegeflächen als äußerst robust in Bezug auf Klauenerkrankungen und sie verträgt das raue Klima sowie die ganzjährige Freilandhaltung.
Transport der Schafe mit dem Ruderboot 2010 © Erna Schreiber
Der Schafbestand beträgt jetzt etwa 14 Tiere. Das ist der optimale Bestand, um die Kurzrasigkeit zum Ende des Jahres herzustellen. Die Schafe bleiben ganzjährig auf der Insel, werden einmal jährlich eingefangen, geschoren und bei Bedarf gegen Endo- und Ektoparasiten behandelt. Wichtig ist vor allem auch die Klauenpflege. Zu diesem Zweck wurde auf der Insel ein Fanggatter sowie ein Zaun errichtet, der die Insel in zwei Teile teilt. Die Bedingungen für Wiesenbrüter sind aufgrund der Beweidung günstig. In der Steilküste befindet sich eine Uferschwalbenkolonie. In den größeren Höhlen brütet der Mittelsäger. Dominierende Arten sind Wiesenpieper und Feldlerche. Im Jahr 2023 wurde ein neues transportables Fanggatter errichtet und alte Zäune erneuert. Seit dem Jahr 2025 erfolgt eine wesentliche Erleichterung beim Schafescheren. In Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e.V. können wir das Boot „LIMOSA“ nutzen. Dieses Boot ist für das Projekt HOTSPOT 28 in der Wismarbucht im Einsatz.
Ziel der Aktivitäten des Kreisverbandes Nordwestmecklenburg und Wismar ist es, einen Ausschnitt aus der extensiv bewirtschafteten Kulturlandschaft zu erhalten, der einen idealen Lebensraum für Vogelarten der küstennahen Grünländer und Salzweiden sowie für die Pflanzen der Salzgrünländer darstellt. Durch die Insellage, ungestört von vielen anderenorts bestehenden Einflüssen des Umfeldes, ist dies durchaus erfolgversprechend. Ein besonderer Dank gilt dem Grundstückseigentümer Gut Hohen Luckow und für das Entgegenkommen und das Verständnis gegenüber dem Anliegen des Naturschutzes.